Mittendrin und ganz ruhig

„Du kannst die Wellen nicht aufhalten aber du kannst lernen, auf ihnen zu reiten.“

Die Metapher des Surfens, die der amerikanische Buddhistische Meditationslehrer Jack Kornfeld eingeführt hat, beschreibt den Alltag von Eltern besonders treffend. Wer kennt das nicht: Geht es uns gut, sind wir innerlich im Gleichgewicht, dann gestaltet sich auch das Leben mit unseren Kindern leichter und harmonischer, und selbst höhere Wellen können wir normalerweise elegant nehmen, ohne herunterzufallen. Wir wissen auch, wann wir eine Pause brauchen oder eine Stärkung. Geht es uns dagegen schlecht, sind wir gestresst, ungeduldig oder in Gedanken woanders, dann übersehen wir leicht herannahende Wellen, die uns zur Gefahr werden können- und schon liegen wir im Wasser und kritisieren uns womöglich noch dafür, was für erbärmliche Surfer wir sind. In einer anderen Variante schieben wir es auf die Wellen ( oder die Kinder oder die anderen), weil sie einfach nicht so sind wie sie sein sollen.

Meines Erachtens liegt ein Schlüssel, die „Wellen zu reiten“ im gegenwärtigen Moment. Wenn uns in einer Praxis der Achtsamkeit gelingt, den gegenwärtigen Moment auf wohlwollende, freundliche, nicht urteilende und einfühlsame Weise präsent zu erleben, ist das eine Kunst. Wir können üben, jeden Tag neu. Auf der Yogamatte. Wir können lernen mit der Aufmerksamkeit ganz bei einer Sache, bei uns, bei unseren Kindern, im Hier und Jetzt zu verweilen. Wir können unseren Blick für das Wesentliche schärfen und so zu mehr Akzeptanz und Gelassenheit kommen- was sicherlich das Familienleben bereichert. Wenn wir unseren Kindern ungeteilte Aufmerksamkeit schenken, können wir ihre Einzigartigkeit besser erkennen und unsere Beziehung spürbar vertiefen. Der Achtsamkeitslehrer Jon Rabat-Zinn hat es sehr treffend ausgedrückt:“ Achtsamkeit unterstützt uns in unseren täglichen Bemühungen, mit unseren Kindern wirklich in Kontakt zu sein.“